LEGO Vidiyo und die YouTube-Community

LEGO Vidiyo – das Thema 2021 – hat sich wohl ziemlich schnell erledigt. Die Kooperation zwischen Universal Music und LEGO war wohl zum Scheitern verurteilt.

Aber was war eigentlich passiert? Ich habe hier mal einige Video-Titel der bekanntesten Klemmbaustein YouTuber zusammengetragen:

Nun kann man über die App sicherlich trefflich streiten. Aber es sickert auch in den „Bashing Clickbait Titeln“ der genannten Reviews durch: Figuren und Teile sind interessant. Aha!

Die Kritik lässt sich auf 2 Punkte reduzieren:

  • zu teuer
  • Smartphone mit der entsprechenden App wird benötigt um Vidiyos zu drehen

Jetzt ist mir aufgefallen, dass die größten Kanäle die App selbst nicht einmal ausprobiert haben. Schaut euch die oben verlinkten Videos auf YouTube durch. Nur Henry von Klemmbausteinlyrik und brix just4me haben in ihren Reviews die App ausprobiert.

Alle anderen verlieren über die App kein Wort.

Ich gehe jetzt auf die beiden Kritikpunkte ein.

LEGO Vidiyo ist zu teuer

Vielleicht. Mit dem Blick auf die reinen Steine und Größe der Sets, würde ich im ersten Moment auch sagen, dass das schon ganz schön teuer ist. Aber schauen wir mal genauer hin.

Es ist definitiv nicht günstig, auch nicht in der LEGO Welt, dafür sind wirklich tolle Figuren und Teile in den Sets.

Ich rede jetzt von den Sets der zweiten Welle. Ich habe keine Beatbox aus der ersten Welle gekauft, die ohne weitere Legoteile veröffentlicht wurden und vermutlich die Funktionen der App promoten sollten. Das ist für mich kein „Set“.

In diesen Sets werden Teile verwendet, die eher selten oder lange gar keine Verwendung fanden. Und das macht VIDIYO wieder interessant, gerade wenn man gerne selber baut und Teile braucht. Spätestens seit die Vidiyo Sets so richtig – mit bis zu 70% Rabatt – im Markt verprügelt werden, sind sie richtig interessant!

Und nein, ich übertreibe nicht mit den 70%

Wenn wir uns jetzt die Mühe machen und mal nachsehen, was die Teile aus diesem Set (K-Pawp Concert 43113) im Schnitt bei Bricklink kosten (und wir nehmen natürlich die Preise, die bezahlt wurden. Nicht die Preise, die aufgerufen werden…), dann sehen wir… Ich muss das Set kaufen! Wenn man mit den Farben nix anfangen kann, dann natürlich nicht.

81,20 EUR für die Teile und Figuren in einem Set, das für 14,99 EUR verkauft wird? Da dürfen dann ganz schön viele unbrauchbare Teile enthalten sein. Das ist mehr als das 5-fache.

Aber Moment: Wir rechnen die Figuren raus, die sind nämlich relativ teuer auf Bricklink. Da kommt so eine Figur auf ~5 EUR. Also 81,20 EUR – 15 EUR = 66,20 EUR. Bleibt immer noch das 4,4-fache. Das heißt: Wenn ich nur für jedes vierte Teil eine Verwendung habe, könnte es sich noch immer lohnen. Kommt aber hier auch stark auf die benötigten Teile an.

Ach und wo wir gerade dabei sind: Hat jemand noch die UVP auf dem Schirm ;-) Die war bei 49,99 EUR. Das sind 80% vom Partout Value ohne Figuren. Hmmm. Kaufte man also dieses Set zur UVP, kann man so ca. 30% Gewinn bei Einzelteilverkauf auf Bricklink der Teile erzielen. Plus die Figuren. Die hatte ich ja gerade rausgerechnet.

Das ist natürlich solange eine Milchmädchenrechnung, da sich davon einige Teile sicher schlechter verkaufen als andere. Ich denke da an die Beat Bits u.ä. Aber trotzdem. Ich habe das oben erwähnte Set gekauft und auch gebaut. Das war durchaus mal was anderes, und mir gefällt die Bühne. Ich hab auch noch ein anderes Set gekauft, mehr dazu weiter unten im Artikel.

Zugegeben, das K-Pawp Concert markiert hier wirklich eine Spitzenposition was (reduzierter) Preis vs. Partout Value angeht, aber so schlecht ist der Inhalt dieser Sets generell nicht. Auch ohne die App.

Ach ja, die App…

Smartphone für Kinder ist nicht gut

Fakt ist, dass das Produkt nicht nur aus den LEGO Steinen besteht, sondern auch aus einer App mit AR Funktionen für die LEGO Sets, Musik, einem kindersicheren Netzwerk mit Überprüfung der Videos und Zugangskontrolle durch die Eltern.

Zumindest muss man das bei der Einrichtung mit einem LEGO Account eines Erwachsenen verknüpfen, ansonsten geht da gar nix mit hochladen oder exportieren. Das wirkt auf den erwachsenen Nutzer (sofern es diese gibt) erst mal umständlich. Aber diese Funktion macht durchaus Sinn: Auch exportierte Vidiyos sind somit gesichtet und kontrolliert und landen nicht ohne Prüfung auf einem TikTok Account.

Aber der smarte 10-jährige umgeht das natürlich, indem er die Videos lokal in seiner Vidiyo-App abspielt und einen Screencast mit dem Smartphone aufnimmt. Denkste! Auch das ist vorbildlich gesperrt. Der Screencast ist ein schwarzes Bild. Kindersicherung ist also gut umgesetzt. Ich habe es selbst mit einer Video Capture Card nicht auf Anhieb geschaft, das Video-Bild irgendwo anders sichtbar zu machen und mitschneiden zu können.

Die App selbst ist voller Funktionen, die mit weiteren Sets ;-) den sogenannten Beat Bits erweitert werden können. Da werden zusätzliche Funktionen, Bühnen, Tanzschritte und Spezialeffekte freigeschalten. Das hat schon was. Aber es erfordert eine unglaubliche Kontrolle und vor allem muss man sich auch erst mal merken, welcher Bit da was kann. In einem Video können bis zu 12 Beat Bits benutzt werden. Bei meinen Sets waren jeweils schon mehr als 12 dieser „Bits“ dabei.

Die einzelnen Funktionen würden den Rahmen hier sprengen. Aber soviel dazu: Ich war heillos überfordert beim ersten Versuch. Und beim Zweiten.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch noch: Warum kann eine Band nicht mehr als drei Mitglieder haben? Das ist sehr eingeschränkt, aber evtl. der Komplexität der Bedienung geschuldet. Die Bands, in denen ich spiele und gespielt habe waren zwischen 4 und 17 Mitgliedern.

Die Teile

Ich höre das Gejammer immer wieder… Keine Ritter, keine Piraten, Mimimi. Und dann bringt Lego ein Piratenschiff mit wirklich tollen Bautechniken auf den Markt und keiner will es, weil „die App doof ist“.

Das Pirate Punk Ship (43114) aus der LEGO Vidiyo Serie bietet eine tolle Grundlage für ein Piratenschiff. Beim Bau – sofern man das mal probiert hat – merkt man, dass da viel schwarz, braun und nougat verbaut wird. Einfach die bunten Fliesen weg, und man hat eine 1a Grundlage für ein Piratenschiff:

Das „Pirate Punk Ship“

Ich muss gestehen, ich habe dieses Set gekauft, um es zu einem Piratenschiff umzubauen. Aber ich bin von der Optik nach dem Bau so überzeugt, dass diese Bühne wohl Einzug in meinen Proberaum oder in den Regieraum halten wird.

Das ganze ist so schön gestaltet, mit drehbaren Positionen auf dem Bühnenkonstrukt. Ja, das sind Bühnen bzw. Kulissen. Da waren Profis aus Bühnen- und Requisitenbau am Werk. Keine (Pop-)Band der Welt würde eine solche Bühne ablehnen.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Die Figuren sind schon richtig der Hammer!

Ich habe nun lange überlegt, ob ich diesen Artikel veröffentlichen soll, da ich offensichtlich der einzige bin, der nicht der Schachtel wegen, das Produkt direkt verurteilt hat. Für die derzeitigen Preise sind das wirklich tolle Sets mit vermutlich mehr Funktionen als so manches LEGO Technic Modell in dieser Preisklasse.

Evtl. war auch der Zeitpunkt der Markveröffentlichung mitten in einer weltweiten Pandemie, bei der keine Konzerte stattfinden konnten nicht gut für die Serie. Ich finde die beiden Bühnen jedenfalls top!

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